Wo ist die goldene Mitte?

 
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Wo ist denn nur das gesunde Mittelmaß geblieben? Gibt es nur noch schwarz oder weiß? Ist die Mitte nicht manchmal auch okay? Kann man zu bestimmten Themen auch eine geteilte Meinung haben?

Diese Folge auch als Podcast


In letzter Zeit verlässt mich eine Beobachtung einfach nicht mehr. Ich habe das Gefühl, dass es heutzutage in unserer Gesellschaft nur noch Top oder Flop, schwarz oder weiß, grandios oder ganz schlecht gibt. Doch wo bleibt das gesunde Mittelmaß?

Auf welcher Seite stehst Du?

Es gibt für mich Themen, bei denen ich keine klare Meinung vertrete, weil ich verschiedene Betrachtungsweisen berücksichtige.
Bei manchen Diskussionen kommt es mir so vor, als müsse ich mich dann für eine Seite entscheiden.

Ist es denn gar nicht mehr möglich gewisse Dinge differenziert zu betrachten und dann vielleicht auch Argumente für beide Seiten zu haben, beziehungsweise beide Argumentationen verstehen und akzeptieren zu können?

Immer das Beste und dann noch mehr - Druck, der unnötig ist

Diese Art zu Denken erzielt auch gesellschaftlich einen enormen Druck, den wir vielleicht nicht einmal wahrnehmen.
Ich habe echt das Gefühl, dass es überhaupt nicht mehr zum guten Ton gehört, wenn man mit dem Mittelmaß zufrieden ist oder keine besonders hohen Ziele hat.

Die meisten sagen sich nach dem Studium. Ich will noch dies und das erreichen. Erstmal das, aber danach muss es dann schon eine deutliche Steigerung geben.
Nicht, dass man solche Dinge auch einfach mal unvoreingenommen auf sich zukommen lassen will. Man will das Leben planen und möglichst schnell und schlau alle Schritte im Leben planen.

Enormer Druck für die nachkommende Generation

Gerade wenn es um Bildung und Ausbildung geht, erweckt es den Eindruck, dass es selbstverständlich ist, dass alle Kinder auf das Gymnasium gehen, anschließend studieren und natürlich dann auch erst mit einem Master die Uni verlassen.

Erst kürzlich habe ich mich mit der Mutter einer 14-jährigen Tochter unterhalten.
Sie hat ihre Tochter bewusst auf die Realschule geschickt und erntete dafür empörte Blicke und erschreckende Aussagen wie „ist das wirklich gut für das Kind. Ist es nicht besser sie gleich auf ein Gymnasium zu schicken, damit sie später bessere Chancen hat?“

Solche Geschichten hört man immer häufiger. Ich finde es natürlich und auch vollkommen richtig, dass man das Beste für seine Kinder möchte. Doch ist das wirklich hilfreich?
Ist hier nicht schon unbewusst eine Menge Druck dahinter, den auch die Kinder dann spüren werden.

unsplash /  @ante_kante

unsplash / @ante_kante

Überforderung und BurnOut

Wirklich erschreckend ist auch die Entwicklung, dass mittlerweile viele Burnout-Patienten sogar noch zur Schule gehen oder studieren. Da bleibt die Frage woher kommt das? Perfektionsdrang?

Ich kann hier nur über meine Ansicht der Dinge schreiben, doch ich glaube, dass es hier wie so oft zwei Seiten der Medaille gibt.

Zum einen ist es irgendwie in der Gesellschaft verankert, dass nur das Beste erstrebenswert ist. Zum anderen machen wir uns dadurch selbst ganz schön Druck.
Druck und Überforderung kommen von Innen, aber werden vom Außen beeinflusst.
Gerade für junge Menschen, die erst noch im Leben ankommen, ist das schwierig.

unsplash /   TK Hammonds

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Der Hang zur Perfektion


Ich muss zugeben, dass ich den Hang zum Perfektionismus auch kenne. Immer abliefern und ja gute Ergebnisse erzielen. Es soll bloß keiner behaupten können, die Meyer ist eine Pfeife oder der Position, auf der sie sitzt, nicht gewachsen.
Ja, unsere weiße Weste, die wir tragen und deren Sauberkeit wir so kraftvoll verteidigen.

An Ambitionen und Perfektion ist auch erstmal nichts verwerflich, solange es in einem gesunden Maß ist.
Zum Problem wird dies, wenn wir uns dadurch selbst unter zu großen Druck setzten. Unsere eigene Messlatte immer weiter nach vorne verschieben, weil es uns schwer fällt mit dem zufrieden zu sein, was wir schon erreicht haben. So entsteht unnötiger Stress, der auch unsere Gesundheit beeinflussen kann.

Warum ist Yoga, Meditation und Achtsamkeit derzeit wieder so im Trend? Weil wir es im Laufe der sich immer schneller drehenden Welt verlernt haben, auf unseren Körper und Geist zu hören.
Dadurch, dass wir ständig im Flow sind und es verlernt haben auch mal nichts zu tun, weil wir unsere Zeit auch immer effizient und effektiv nutzen wollen, finden wir uns in einer Schleife aus permanenter Beschallung.

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Fehler machen ist menschlich - Fehler zugeben ist wahre Größe

Auch verlernen wir so, dass wir Menschen sind. Menschen sind nun mal keine Maschinen, haben Ecken und Kanten und machen auch mal Fehler. Sich Fehler einzugestehen und offenen zuzugeben scheint vielen Menschen schwer zu fallen. Es gilt als Schwäche und diese will man gar nicht zeigen. Da belügt man sich sogar lieber selbst.

Ja, es fällt schwer zuzugeben, wenn man etwas falsch gemacht hat, aber für mich ist das wahre Größe, wenn man sie sich selbst eingestehen kann und offene zugeben kann. Es fällt auch viel leichter, wenn man sich im Klaren ist, dass ein Fehler überhaupt nichts Schlimmes ist. Im Gegenteil manchmal sind die sogar wichtig oder zeigen einem Dinge auf, auf die man künftig vielleicht besser achten sollte.

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Zufriedenheit!

Ich vermute, dass es häufig die falsche Herangehensweise ist, mit der wir unser Leben betrachten.
Anstatt sich vielleicht darauf zu besinnen was man schon für ein schönes Leben hat und was man bereits erreicht hat, fällt bei den meisten der Fokus auf die Ziele in der Zukunft.

Es wird gar nicht mehr wahrgenommen, wo man mal angefangen hat und was vielleicht wirklich wichtig im Leben ist.
Was ist wahrhaftig lebenswichtig?

Es ist nicht der Job, bei dem man ein gutes Ansehen genießt und viel Gehalt dafür bekommt.

Wichtig ist ein Job, von dem man seine Miete und sonstige Ausgaben bezahlen kann und ein nettes Umfeld dabei.
Was hat man denn von einem Job mit guter Position und fetter Kohle, wenn sie einem keinen Spaß bereitet, weil vielleicht die Kollegen zum Kotzen sind?

Natürlich kann man dann außerhalb der Arbeit mit Dienstreisen, Wichtigkeit und Gehalt (von dem die meisten ohnehin immer nur sagen, sie verdienen gut, aber nie einer zugibt, wie viel es wirklich ist) prahlen.

Doch macht das ein erfülltes Leben aus? Nein, ganz und gar nicht. Es sind die einfachsten Dinge, die uns glücklich machen und für die wir auch was tun müssen, wobei uns Geld auch nicht helfen kann:

Freundschaften. Gesundheit. Beziehungen. Familie. Zeit für sich.

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Führt man sich regelmäßig vor Augen, was man schon erreicht hat und für welche wirklich wichtigen Dinge man dankbar ist, dann merkt man schnell, dass es absolut nicht gut ist den Fokus auf Dinge zu lenken, von denen wir meinen, dass andere oder die Gesellschaft es von uns erwartet.

Wichtig ist doch, was Du wirklich aus deinem eigenen Antrieb heraus möchtest und nicht, das von dem andere meinen, man müsse es erreichen.

Es ist doch völlig egal wie wichtig andere Menschen in ihrem Job sind oder was sie verdienen, solange Du mit dem, was Du hast zufrieden und glücklich bist.

Oft ist es sogar so, dass die Leute, die immer wieder betonen wie gut sie doch verdienen und wie wichtig sie sind, eigentlich gar nicht so zufrieden sind. Ich frage mich dann immer, wenn das so wäre, warum betonen sie das immer wieder? Etwa um sich selbst das nochmal zu sagen, damit sie es dann auch glauben?

Okay, klingt nun ein bisschen zynisch, aber ich glaube ein bisschen ist da schon dran. Wir gucken heute viel zu sehr auf das, was wir meinen, dass andere beziehungsweise die Gesellschaft so von uns erwartet, anstatt einfach unser eigenes Ding zu machen und das zu tun was uns gut tut.

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Das soll nun auch kein gesellschaftliches Gejammer sein. Nur ein paar Gedanken, die ich hier mit Dir teilen möchte.
Lass‘ mir gerne in den Kommentaren Deine Meinung zu diesem Thema da.

 

Liebe Grüße Sandra