Jahresrückblick 2018 - Ich habe dazu gelernt...

 
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Das Jahr neigt sich dem Ende zu. Ich bin eigentlich kein Freund von Jahresrückblicken und der Emotionalität zum Ende des Jahres hin, denn eigentlich sollte Nächstenliebe eine ganzjährige Sache sein.


Warum genau ich dieses Jahr dann doch einen Rückblick schreibe und dieser vielleicht sehr emotional sein wird erfährst in 15 Minuten Lesezeit oder Du lauschst dem Podcast.

 
 


Ich schreibe diesen Post, weil dieses Jahr ein sehr bewegendes Jahr war, in dem ich viel über mich selbst gelernt habe.
Eigentlich fing es ganz gut an.

Der Job

Im Januar durfte ich beruflich ein kleines Projekt in Marokko bearbeiten.
Sehr spannend, aber wie so oft habe ich gemerkt, dass Dienstreisen doch nicht so schön sind, wie man immer denkt.
Erstens ist man allein und zweitens bin ich in den seltensten Fällen in netten Hauptstädten.

Sonst hat sich beruflich nicht so wirklich viel geändert, bis auf dass ich nun seit Oktober Teilzeit arbeite.
Nein, dahinter steckt keine Schwangerschaft oder ein Kind.
Ich bin zufrieden mit meinem Job und habe derzeit auch keine Möglichkeiten aufzusteigen. Um ehrlich zu sein, glaube ich, dass ich für den Moment angekommen bin.
Natürlich kann man nach mehr streben, doch das ist oft mit viel Stress und Einschnitten in das Privatleben verbunden.
Mir ist klar geworden, dass ich das einfach nicht will. Ich weiß nicht wie alt ich mal werde, daher möchte ich mein Leben leben. Einfach leben und genießen!
Ausgeglichenheit und ein nettes soziales Umfeld sind so viel wert.

Im Großen und Ganzen habe ich einen guten Arbeitgeber, denn es ist heutzutage nicht überall möglich einfach so auf Teilzeit zu reduzieren (34 anstatt 40 Stunden).
Zwar muss ich derzeit noch die gleichen Aufgaben in kürzerer Zeit bewältigen, was oft nicht möglich ist, aber ich habe gelernt, dann einfach auch mal Sachen auf morgen zu schieben, weil es eben nicht anders geht. Seitdem geht es mir so viel besser. Warum? Ich habe es endlich geschafft mich abzugrenzen.

Das heißt nicht, dass ich meine Arbeit nicht weniger gut machen möchte. An meinem Anspruch hat sich nichts geändert, doch ich nehme gewisse Dinge einfach nicht mehr persönlich und auch nicht mit nach Hause.
Das war der größte Fortschritt, den ich in den nun schon 11 Jahren im Arbeitsleben gemacht habe.

conscious.hamburg

Der Blog

Durch die Verkürzung der Arbeitszeit habe ich natürlich auch etwas mehr Zeit, die in diesem Blog steckt, denn mittlerweile hat sich das Ganze ziemlich entwickelt.
Zuerst ein Blog, der über Hamburg und seine schönsten Ecken bloggt, dann kamen die Streetstyles hinzu.
Dank DSVGO und der Hetze auf Blogger habe ich mich dazu entschieden keine fremden Menschen mehr auf diesem Blog zu zeigen.

Da ich eigentlich schon immer etwas “öko” war und mir bewusst wurde, wie viel Aufklärungsbedarf bei einigen Themen herrscht, habe ich mich entschieden mein Hobby oder besser gesagt einen Teil meines Ichs hier zu “verbloggen”. Ein Blog ist nicht wie heute oft gehandhabt, eine Werbeplattform, ein Blog ist ein persönliches Tagebuch. Eben mein persönliches Tagebuch zu einem bewussteren Lebensstil möchte ich hier teilen, inspirieren und zum Umdenken anregen. Dabei ist es mir wichtig, dass niemand missioniert wird. Jeder kann seine Entscheidungen ganz individuell treffen und wird schon wissen, womit es ihm gut geht. Daher auch die Anpassung des Namens von hamburgstreetstyle.com auf conscious.hamburg .

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Loslassen lernen

Leider sind dieses Jahr auch Dinge passiert, die nicht so schön sind und auch relativ selten vorkommen. Ich möchte dennoch darüber schreiben, denn ich habe gemerkt, dass ich nicht die Einzige bin, die sowas erlebt hat.

Ich habe dieses Jahr drei Menschen verloren. Für ein Jahr ist das ganz schön heftig!

Einer davon war sehr alt, sodass es für mich ehrlich gesagt vollkommen okay war.
Es mag komisch klingen, aber ich freue mich für diese Person, dass er sein Leben gelebt hat und noch so viel von seiner Familie mitbekommen hat. Ohne große Einschränkungen.

Verbunden mit dem Verlust dieser Person habe ich eine zweite Person verloren, allerdings nicht so wie im ersten Fall.
Hier habe ich gelernt, dass sich manche Menschen, warum auch immer, ändern können. So krass, das man sie nicht wiedererkennt, worüber ich extrem verärgert und traurig zugleich bin.

Doch was habe ich hier im Laufe der Zeit gelernt? Das goldene Wort heißt Loslassen . Man kann versuchen an der Vergangenheit festzuhalten, doch es bringt nichts. Du als einzelne Person hast keinen Einfluss auf andere Menschen und kannst Dir wünschen es wäre wie früher oder versuchen sie zu ändern. All das wird nichts bringen. Du kannst nur Deine eigene Einstellung beziehungsweise Erwartungshaltung ändern.

Mir persönlich fiel das schwer. Es ist leicht gesagt, man solle sich nicht ärgern und akzeptieren, dass andere Menschen, denen Familie früher wichtig war, heute gepflegt drauf scheißen. Es brauchte Zeit, doch je öfter man sich sagt, dass man die Situation nicht ändern kann und loslassen muss, desto besser funktioniert das.

Mach Dir Deiner Situation bewusst und überlege ganz genau wie Du damit umgehen möchtest, damit es Dir gut tut.

 
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Die dritte Person, die ich loslassen muss ist leider auch nur drei Monate nach der erst genannten Person von uns gegangen und in diesem Fall wirklich. Sehr unerwartet und schnell.

Ich gebe zu, dass ich es immer noch nicht so ganz verarbeitet habe Das wird auch dauern. Ich habe nicht die Erwartungshaltung an mich, dass es schnell gehen muss.
Es dauert eben so lange, wie es dauert und das ist auch gut so.

Etwa 2 Monate nach dem es passiert war, traf ich eine Bekannte. Sie fragte, wie es mir geht. Ich antwortete verhältnismäßig ganz gut. Sie entgegnete dann “Na ja, ist ja auch schon etwas her”.
An dieser Stelle sei gesagt, dass ich ihr keinen Vorwurf machen möchte. Jemand, der sowas noch nicht erlebt hat, kann das erstens nicht einschätzen und zweitens geht jeder anders mit dem Verlust eines Menschen um.
Nicht umsonst haben die Leute früher eine bestimmte Zeit, in der sie mit der Verarbeitung beschäftigt waren, schwarz getragen.

Allerdings sind zwei Monate gar nichts… Man weiß zwar, dass diese Person nicht mehr da ist. doch realisiert es erst viel später. Anfangs fühlt es sich so an, als sei er nur zur Kur oder Ähnliches.

Dann kommt es Stück für Stück. Ganz unerwartet und auch dann wenn keiner hinguckt. Beim Joggen, beim Duschen, auf dem Weg von der S-Bahn.

Unsere Welt dreht sich einfach zu schnell. Ich hatte oft das Gefühl, dass nach 1-2 Monaten alle erwartet haben, man sei drüber weg und wieder voll da. Vielleicht auch eine subjektive Wahrnehmung.

Ich habe aber auch gelernt, dass ich wahrlich nicht die einzige bin, die mit so einem Verlust klar kommen muss.
Einigen Menschen, denen ich erzählt habe, was diesen Sommer passierte, erzählten mir dann auch von ähnlichen Schicksalen.
Daher wollte ich auch diesen Post schreiben, vielleicht hilft es ja dem einen oder anderen zu wissen, dass er nicht allein ist und Trauer völlig okay ist. Egal wie lange es dauert und was man meint, dass das Umfeld erwartet. Hierbei geht es nur um Dich!

Gesundheit schätzen lernen

Zuvor ist etwas relativ Irrelevantes passiert. Ich habe durch zu hohe Belastung meinen Knöchel angebrochen, sodass ich 8 Wochen nicht laufen konnte.
Ich habe zum ersten Mal gelernt, was für ein großes Glück es ist, ohne Einschränkung zu laufen.
Solch einfachen Dinge wie laufen, sehen, schmecken, riechen etc. wissen wir oft nicht wertzuschätzen. Erst dann, wenn wir es missen.

Mir wurde bewusst, was für ein großes Glück ich habe, dass ich gesund bin. So generell gesund. Ich weiß es nun wertzuschätzen, besonders auch unter dem Aspekt, dass ich letztes Jahr mitbekommen habe, dass eine Bloggerkollegin meines Alters an Brustkrebs erkrankte. Ich folge ihr und bin erstaunt, wie viele Frauen um die 30 und auch jünger es betrifft.

Familiär bin ich vielleicht auch vorbelastet, weshalb ich regelmäßig alles beim Arzt checken lasse. Ich bin jedoch ganz fest davon überzeugt, dass ich auch gesund bleibe. Ich glaube diese Einstellung ist die halbe Miete.

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Was habe ich nun aus all dem gelernt?

Zu allererst bin ich dankbar einen tollen Ehemann und Freund an meiner Seite zu haben, der mich die letzten Jahre wahnsinnig unterstützt hat.
Ebenso dankbar bin ich, eine richtig coole (wenn auch geschrumpfte) Familie und echte Freunde zu haben.

Ich habe gelernt bewusster zu leben und gewisse Dinge entspannter zu sehen.
Worauf es im Leben wirklich ankommt und, was es wert ist sich aufzuregen, weiß man erst, wenn man bestimmte Dinge durchlebt hat.

Das Leben wurde uns für eine bestimmte Zeit geschenkt und keiner weiß, wie lange diese sein wird. Daher habe ich für mich beschlossen nicht zu warten und das zu machen, worauf ich Lust habe und was mich glücklich macht.

Zudem werde ich weniger sensibel im Bezug auf andere Leute sein. Einfach leben und leben lassen und wenn mich jemand kritisiert oder das, was ich mache doof findet, dann soll er doch. Mir ist das sowas von egal.
Ich mache mir keinen Kopf mehr was andere denken mögen.
Die Gedanken sind frei! Sollen sie doch denken was sie wollen ;)


Mein Vater sagte zu mir ” … hier kannste doch mal drüber bloggen” Mein Papa liegt im Sterben… ich sagte… “Ach komm… nee Papa…” ich weiß nicht, ob er den Blog jemals gelesen hat… (Ich weiß, dass Du es tust - Mama :-* ) , und was er wirklich davon hält oder ob das ernst gemeint war. Doch warum nicht, warum nicht mal ganz ehrlich sein.
möglicherweise liest Du das und hast ähnliches erlebt und merkst nun, dass Du nicht allein bist. Vielleicht kommst Du demnächst in so eine Situation und erinnerst Dich dann an diesen Post… und nicht und Du einfach nur denkst, “Gott ist die emotional und bescheuert, das mit der “ganzen Welt” (schön wär’s - der Blog ist nicht so groß) zu teilen, dann ist es mir auch sowas von egal ;-)

In diesem Sinne … ich freue mich auf 2019 und egal was kommt, ich nehme aus 2018 eine Menge mit.